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Tag: Alkohol

Ich bin empört

Wenn es stimmt, dass Bayerns Innenminister Joachim Herrmann von der allseits bekannten und geschätzten CSU etwa 80 Landtagsjournalisten am 16. März 2010 zu einem wissenschaftlichen Versuch mit Alkohol einladen will, dann bin ich empört wie schon lange nicht mehr. 


Angeblich soll bei dem "Trinkversuch" gezeigt werden, dass schon wenig Alkohol Auswirkungen auf die Reaktionsfähigkeit und Fahrtüchtigkeit von Autofahrern haben kann. Eingeladen sei auch ein Rechtsmediziner und ein Richter, die dann Vorträge zum Thema halten. Nach dem "Trinkversuch" soll es dann noch ein gemeinsames Abendessen von Minister und Journalisten geben.

Müssen wir wirklich Steuergelder für das Essen und Trinken ausgeben, um zu zeigen, dass Alkohol gefährlich ist? Das weiß doch jeder. Und wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es mehr als Haare auf meinem Kopf wachsen. Ist es die Aufgabe des bayerischen Innenministeriums, wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema durchzuführen? Oder dient die ganze Veranstaltung vielleicht noch einem anderen Ziel? Vielleicht dem Ziel, die Landtagsjournalisten zu einem guten Essen einzuladen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, sie für die eigene Politik gewogen zu machen?

Ich habe keine Lust mehr, solche Veranstaltungen mit meinen Steuergeldern zu finanzieren, ich möchte nicht mehr zusehen, wie solche Politiker in horrenden Summen Geld leihen, unsere Kinder auf ewige Zeiten verschulden und dem Volk etwas Gutes zu tun glauben. Aber wie werde ich solche Politiker los? Soll ich auswandern? Aber wohin? Es ist ein Jammer in diesem Land!

Matthias Stöbener 06.03.2010, 11.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Augsburg: Zu gefährlich für meinen Bruder

Früher kam mein Bruder sehr gerne zu Besuch nach Augsburg. Hin und wieder sogar für mehrere Übernachtungen. Die Augsburger Hotellerie hat schon manchen Euro an ihm verdient. Vor Weihnachten wollte er den Christkindlesmarkt besuchen, aber jetzt hat er seinen Besuch aufgrund der Berichterstattung der Augsburger Allgemeinen zur Maxstraße abgesagt. Begründung: Augsburg sei ihm im Moment zu gefährlich. Wenn sich sogar der Augsburger Ordnungsdienst vor Betrunkenen in Augsburg fürchte, sei das im Moment nicht das richtige Pflaster für ihn.

Wie bitte? fragte ich. Lies doch mal selbst. Am 9. Dezember hat eure Augsburger Allgemeine über die schlimmen Zustände berichtet, seine Antwort. Weil ich diese Zeitung kaum mehr lese, hatte ich natürlich auch dieses Bravourstück der schwäbisch-bayerischen Berichterstattung nicht mitbekommen. Also flugs ins Internet und dort gelesen.

In der Tat: Da schreiben ein Herr Faulhaber und ein Herr Krog, dass sich die Mitarbeiter der Stadt vor dem Einsatz auf der Augsburger Prachtstraße fürchten, weil er ein hohes Konfliktpotenzial beinhalte. Und der Gesamtpersonalratsvorsitzende habe sogar an die Fürsorgepflicht der Stadt appelliert, den Ordnungsdienst nicht auf der Maxstraße einzusetzen. Wer aber sonst soll die nächtlichen "Alkohol- und teilweise auch Gewaltexzesse", wie unsere Heimatzeitung schreibt, in den Griff bekommen? Die Polizei drängt sich ebenfalls nicht vor, diese Aufgabe zu übernehmen, wenn man der Augsburger Allgemeinen glauben darf. Muss man also den Bundesgrenzschutz auffahren lassen? Oder die Bundeswehr (dann, wenn sich Herr Schäuble durchgesetzt hat und sie im Innern eingesetzt werden darf)? Vielleicht könnten uns UNO-Blauhelme helfen oder Nato-Truppen wie im Irak und in Afghanistan?

Ich muss schon sagen: Ich habe bisher überhaupt nicht gewusst, in welcher Gefahr ich geschwebt habe, wenn ich samstags abends über die Maxstraße geschlendert bin. Noch vor zwei Wochen erschien sie mir ganz friedlich und einladend, als ich Richtung Sankt Ulrich schlenderte. Gut, es war erst elf Uhr, nicht nachts um drei oder vier. Ich werde also angesichts des brutalen Pflasters in Zukunft die Maxstraße meiden. Vielleicht sogar die Innenstadt, denn wenn die Ordnungs-Einsatztruppen die Maxstraße doch irgendwann "sauber" bekommen, wird sich das jugendliche Gesocks samt den alkoholisierten Schlägerbanden sicher auf andere Teile der Innenstadt versprengen. Dann ist in Augsburg niemand mehr sicher.

Wenn ich so darüber nachdenke, kann ich gut verstehen, dass mein Bruder nicht nach Augsburg kommen will. Vielleicht sollte auch ich mein Einkaufs- und Freizeitverhalten umstellen und in einer weniger aggressiven, ruhigeren Stadt wie etwa München mein Vergnügen suchen. München ist ja eine Weltstadt mit Herz. Augsburg anscheinend eine Provinzstadt mit Schmerz.


Matthias Stöbener 11.12.2008, 08.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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