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Tag: Augsburger Allgemeine
Für Online-Lokalnachrichten zahlen?
Das wird sicher ein Riesenschub für die DAZ - Die Augsburger Zeitung! Gerade stehen die Medientage München vor der Tür, da gibt Andreas Scherer, Geschäftsführer der Presse-Druck- und Verlags-GmbH ("Augsburger Allgemeine"), der dpa ein Interview mit der Aussage, die stark steigende Zahl der kostenfreien Online-Nutzer und der stete Rückgang der Zeitungsabonnenten zwinge die Zeitungsverlage dazu, den lange hinausgezögerten Weg der Gebühr für die Nutzung der Online-Angebote nun einzuschlagen. Man sei gerne bereit, Zeitungsabonnenten Online-Dienste ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung zu stellen. Aber es sei nur fair, dass Online-User, die keine Printausgabe halten, an den Aufwendungen für den Online-Auftritt einer Zeitung beteiligt würden. Außerdem solle für die Online-Medien von Tageszeitungen auch der reduzierte Steuersatz von 7 Prozent gelten.
Schon im Servus-Bereich der Augsburger Allgemeinen wurden solche Gedanken ventiliert. Der Augsburger-Allgemeine-Journalist Jürgen Marks hat am 15. Oktober 09 einen Blog mit der Überschrift geschrieben: "Für lokale Online-News bezahlen?". An der Diskussion habe ich mich auch beteiligt, wie hier nachzulesen ist.
Ich habe großes Verständnis für die Not der Verlagshäuser. Die Initiative für Paid Content kommt nicht aus Deutschland, sondern aus der englischsprachigen Welt, wo Zeitungshäuser sterben wie die Fliegen. Und ich bin sogar der Meinung: Ein seriöser Verleger kann gar nicht anders, als in der jetzigen Situation, da die Werbeerlöse durch Online-Auftritte minimal sind, auf Paid Content zu setzen. Aber ich glaube andererseits, dass das - wenn die Gebühren dafür nicht richtig dosiert sind - erst recht der Untergang von Zeitungshäusern sein wird. Aus zwei Gründen:
* Zum einen gibt Paid Content kostenlosen Angeboten, angefangen bei Wikinews über Myheimat bis zur Augsburger DAZ, erst den Schub, den sie brauchen, um breite Massen von Bürgern zum Mitmachen zu inspirieren.
* Zum anderen wird der Inhalt der Paid-Content-Seiten nicht mehr von Suchmaschinen indiziert und es fallen Werbeeinnahmen weg, die mit Bezahlabos aufgehoben werden müssen. Ich glaube nicht, dass jetzt schon genügend Menschen bereit sind, den Preis für lokale Online-Nachrichten zu zahlen, der die Angebote dieses so genannten "Qualitätsjournalismus" erhält.
Allerdings muss ich ehrlich bekennen, dass ich selbst keine überzeugende Idee habe, wie die Zeitungshäuser zwischen Hamburg und München erhalten werden können. Möglicherweise kann es diese Idee aber vielleicht auch gar nicht geben.
Matthias Stöbener 26.10.2009, 21.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Eine Konkurrenz für die Augsburger Allgemeine?
Regiowikis seien eine Konkurrenz für Lokalzeitungen. Diese Behauptung stellt Mathias Hamann heute auf Spiegel Online - Netzwelt auf. Wahrscheinlich schreibt er das, damit alle Regionalwikis Deutschlands seinen Artikel verlinken und Spiegel Online Besucher bringen. Denn gebauchpinselt kann man sich als Regionalwiki-Schreiberling schon fühlen, wenn einem vom Spiegel auf diese Weise quasi ein journalistischer Ritterschlag erteilt wird.
Bei genauerem Hinsehen und Nachdenken allerdings stellt sich heraus, dass die Behauptung so falsch ist, wie sie zunächst einleuchtend erscheint. Denn: Ein Regionalwiki kann von seinem Verständnis her keine Zeitung sein. So fehlen - wie Mathias Hamann in seinem Artikel selbst bemerkt - viele journalistische Stilarten wie Glosse oder Kommentar. Stattdessen sind Regionalwikis wie Sachbücher geschrieben, wie Nachschlagewerke, wie Lexika. Es geht in einem Wiki nicht darum, Aktuelles darzustellen, sondern darum, Orientierung zu geben, zu ordnen, zu sichten. Menschen, die wie ich, ein Regiowiki schreiben, sind eher Archivare oder meinetwegen auch in gewisser Weise Chronisten, was auch in Mathias Hamanns Artikel zum Ausdruck kommt. Aber eine Zeitung wollen sie nicht herausgeben. Jedenfalls, wenn ich die Idee, die hinter Regiowikis steht, richtig verstehe.
Nein, für eine Konkurrenz zur Lokalzeitung taugen wir Regiowiki-Schreiberlinge nicht. Umgekehrt muss ich auch Matthias Hamann mit seiner Behauptung widersprechen, Zeitungsverlage würden hier eine Entwicklung verschlafen, sprich, sie sollten selbst Regiowikis betreiben. Mein Gott! Wie soll das denn eine Lokalzeitung finanzieren? Mit Werbung wird sie ein solches Wiki nicht finanzieren können. Das reicht gerade mal, um die Serverkosten zu finanzieren, um es mal deutlich zu sagen. Und das ist auch der Grund, warum Lokalzeitungen die Finger von einem Stadt- oder Regiowiki lassen. Denn Zeitungen wollen ja verdienen, müssen Redakteure bezahlen etc. - zumindest, um die Artikel einigermaßen in Form zu bringen und zu überprüfen, und wenn es nur darum geht, herauszufinden, ob jemand irgendwo abschreibt und eine Urheberrechtsklage drohen könnte.
Eine Lokalzeitung kann ein Regio- oder Stadtwiki also nur sponsern. Irgendeine Form der Kooperation mit dem oder den Betreibern von solchen Wikis finden. Vielleicht in der Art: Übernahme von Texten im Wiki gegen Werbebanner oder einen sonstigen Verweis auf die Lokalzeitung. Oder die Zeitung übernimmt die Serverkosten und wird als Sponsor genannt. Etwas anderes wird kaum funktionieren, denke ich.
Meines Erachtens zeigt das auch das Beispiel der Augsburger Allgemeinen. Mit wieviel Brimborium wurde dort das Leserbeteiligungsportal "Servus" gelauncht! Und wenn ich mir anschaue, was es bringt, was sich nach Monaten getan hat: Mir scheint nicht viel. Was meiner Meinung nach funktioniert, ist das Forum und sind die Blogs. Klar: In beiden Web-Stilformen können Frau Meier und Herr Müller ordentlich drauflos schreiben und drauflos hauen. Und beide haben auch noch den Eindruck ernst genommen zu werden, weil sie das ja auf einer anerkannten Zeitung dürfen. Aber sonst? Echter Inhalt meiner Meinung nach Fehlanzeige. Denn: Artikel wie in einem Wiki zu schreiben, kosten Zeit, viel Zeit, müssen recherchiert werden. Oft Wochen lang. Ich schreibe aus Erfahrung. Und dazu sind sich die Möchtegern-Journalisten, die gern mal in einem Blog oder im Forum drauflos schreiben und hauen, dann doch zu bequem.
Aber bleiben wir bei den Blogs. Diese sind wirklich eine Bedrohung für Lokalzeitungen, besonders wenn sie - wie die DAZ - Die Augsburger Zeitung - als seriöse Internetzeitung mit journalistischem Anspruch daherkommen. Von dieser Seite bläst einer Regionalzeitung wie der Augsburger Allgemeinen der Wind ins Gesicht. Nicht von einem Regionalwiki. Ich beobachte es bei mir: Längst haben wir keine Augsburger mehr im Haus, informieren wir uns im Internet. Ich habe mir bei Google einen Alert zum Thema "Augsburg" eingerichtet. Und was lese ich? Nicht nur Artikel von der Augsburger Allgemeinen, sondern auch immer häufiger Artikel von der DAZ. Und die sind nicht selten von guter Qualität! Auch greifen die Redakteure oft Themen auf, die in der Augsburger Allgemeinen nicht existieren. Zumindest ist die DAZ eine notwendige Ergänzung zur Augsburger Allgemeinen. Ich glaube sogar zu bemerken, dass sich die politische und gesellschaftliche Szene in Augsburg verändert hat, seit es die DAZ gibt. Nicht, dass mir die politische Ausrichtung der Zeitung immer gefällt. Aber sie trägt zu einer neuen Politikkultur in Augsburg bei, die ich zumindest unter der Ära der Monokultur einer Augsburger Allgemeinen sehr vermisst habe. Und das werden nach und nach viele weitere Augsburger spüren. Und das wird am Ende die Augsburger Allgemeine unter Druck setzen. Meine ich.
Matthias Stöbener 01.10.2009, 22.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Schwere Verluste
Wer den Newsletter von meedia.de abonniert hat, weiß es vielleicht schon. Für alle anderen hier kurz zusammengefasst die MA-Reichweiten der Tageszeitungen mit Blick auf die Augsburger Allgemeine, unsere Heimatzeitung. In der Untersuchung wird die Augsburger zu den regionalen Abozeitungen gezählt. Obwohl viele dieser regionalen Abozeitungen ihre Reichweiten gegenüber dem Vorjahr halten oder verbessern konnten, sackte die Reichweite der Augsburger gegenüber dem Vorjahr nach den ma-Zahlen deutlich ab: um 5,2 %, bei der so genannten "Nordausgabe" sogar um 6,1 %.
Hier der Zahlenüberblick dazu!
Das ist schon erstaunlich, schien doch die Augsburger bislang immer stark mit der Region verbunden und ihre Stellung wenig anfechtbar. Regionale Abozeitungen im Süden legten teilweise sogar zu, wie die Badische mit + 4% und selbst ein Blättchen wie die Mainpost in Würzburg konnte ihre Reichweite halten. An was liegt es? Ist die Augsburger den Augsburgern zu teuer geworden? Oder hat sie sich verschlechtert? Geben ihr SPD-Wähler die Verantwortung an der Abwahl von OB Wengert und boykottieren das ihrer Meinung nach CSU-nahe Blatt (von der Augsburger Allgemeinen wird auch der Bayernkurier gedruckt)? Steht das eigentlich Interessante gar nicht mehr in der Augsburger Allgemeinen, sondern in Internetblogs wie der DAZ-Augsburg?
Gerade Internetuser verändern die Medienlandschaft. Nicht mehr für jeden ist die Heimatzeitung eine notwendige Informationsquelle. Vor ein paar Tagen hat Google News Lokal gelauncht. Man mag über Google denken, was man will, aber sich auf der iGoogle-Seite die lokalen Nachrichten einzurichten ist ein Klacks und bringt viele Nachrichten aus Augsburg, die man über die Heimatzeitung nicht erhält. Und überregionale Zeitungen wie die Netzeitung liest man im Blick auf das Globale sowieso lieber als die Heimatzeitung, weil die dort viel gründlicher sind und tiefer gehen.
Matthias Stöbener 22.07.2009, 20.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Augsburger Allgemeine schrumpft
Wer will, kann es bei Meedia.de nachlesen: Die Augsburger Zeitung als größte Regionalzeitung Bayerns mit über 330.000 Auflage gehört nicht zu den Gewinnern der momentanen Zeitungskrise. Allein im vierten Quartal 2008 verlor die Zeitung mehr als 3.500 Exemplare an Auflage. Das sind mehr als 1 %! In einem Quartal!
Es hätte noch schlimmer kommen können, so wie im Osten Deutschlands, wo Regionalzeitungen oft um die 4 Prozent ihrer Leser verloren haben. Auch im Norden der Republik ist es keine Freude mehr, Verleger zu sein. Da sieht es im Süden noch relativ gut aus.
Erstaunlich, dass es in dieser Situation immer noch Zeitungen gibt, die wachsen. Was machen z. B. die taz oder die FAZ besser? Gut, es sind keine Regionalzeitungen. Aber sie wachsen - und sie decken ganz Deutschland ab, müssten also von der Zeitungskrise genauso betroffen sein wie unsere Augsburger Allgemeine.
Manche Zeitungen wehren sich gegen ihr Sterben durch Copypreiserhöhungen. So kann die Auflage zwar sinken, aber unterm Strich bleibt sogar noch etwas mehr in der Kasse übrig. Ein Weg, der sicher irgendwann nicht mehr aufgeht.
Die Augsburger hat jetzt "Servus" gelauncht und hofft wohl, dass viele Ihrer Kunden als Hobby-Journalisten bei ihrem Regio-Wiki unbezahlt mitschreiben und das Abschmelzen der Bedeutung des regionalen Blatts verlangsamen. Ob die Rechnung aufgeht, wird man am Ende des Tages sehen. Jedenfalls fühle ich mich geehrt, dass eine solche große Zeitung meine Idee des Augsburg-Wikis aufgreift. Es ist geradezu ein Ritterschlag für mich. Sicher wird die Zeitung noch mehr unternehmen müssen, um ihr langsames Dahinscheiden zu stoppen. Ideen, die man kopieren kann, liegen genug auf der Straße. Und wenn es für Augsburg etwas bringt: Warum nicht?
Hoffentlich wird der Rubrikentitel "Servus", den die Augsburger Allgemeine ihrem Regio-Wiki gegeben hat, nicht eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: In Bayern wird das Wort ja eher dann verwendet, wenn man sich verabschieden will.
Matthias Stöbener 23.01.2009, 08.48 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Fridolin
Fridolin hieß der Journalist der Augsburger Allgemeinen Zeitung, der 1993 die so genannte Amigo-Affäre aufdeckte. Fridolin Engelfried. Dafür bekam er 1994 den "Wächterpreis der Tagespresse". Der damalige Ministerpräsident Streibl hatte sich von seinem Freund Burkhart Grob, einem Unternehmer, im Urlaub auf eine Hazienda in Brasilien einladen lassen. Streibl musste auf öffentlichen und parteiinternen Druck zurücktreten. Und die Bayern bekamen Stoiber. Noch Monate soll die CSU Druck auf Fridolin Engelfried ausgeübt haben, den Namen des Parteimitglieds herauszurücken, das nicht dicht hielt. So sind sie eben, die mächtigen bayerischen Staatsparteien.
Die Amigo-Affäre hat dazu beigetragen, dass sich der Bundesbürger immer mehr aus der Politik zurückzieht, den Parteien immer weniger Glauben schenkt. Andererseits gehen immer mehr Menschen gegen Korruptionstendenzen vor und decken sie auf. Amigo-Affären werden nicht mehr geduldet, Spezlwirtschaft und Verfilzung stehen auf der schwarzen Liste. Es kam zur Verschärfung entsprechender Gesetze. Bestechlichkeit wird nicht mehr als Kavaliersdelikt gesehen.
So gesehen hat der damalige Münchenkorrespondent der Augsburger Allgemeinen einen Stein ins Rollen gebracht, der ruhig noch heute rollen darf. Ich wünsche mir auch heute noch viele Fridolins.
Matthias Stöbener 21.12.2007, 17.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL




