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Tag: Freifunk

Freifunk hat noch viel vor in Augsburg



Auch in Augsburg gibt es freie Funknetze, die privat betrieben werden und fast kostenloses Surfen, Chatten, Telefonieren oder Onlinegames möglich machen. Damit entfällt die Unterordnung unter die Beschränkungen kommerzieller Anbieter. Die Freifunk-Bewegung startete 2000 in London, kurz darauf in Berlin. Seit 2003 gibt es die Webseite
www.freifunk.net, kurz darauf wurde eine Software veröffentlicht, die leicht zu installieren ist und seitdem zur Verbreitung der Freifunknetze in Deutschland beiträgt. Manuel Munz ist ein Augsburger Freifunker. Ihn habe ich per E-Mail über Freifunk Augsburg interviewt.

Matthias Stöbener: Hallo Manuel, seit wann gibt es Freifunk in Augsburg? Und wann bist du Freifunker geworden?

Manuel Munz: Hallo Matthias. Ich habe die Webseite freifunk.net vor ungefähr fünf Jahren beim Surfen entdeckt. Weil ich schon einige Erfahrungen mit Datenfunk hatte, war mir schnell klar wie das funktioniert und ich war von der Idee begeistert, ein selbstverwaltetes und unkommerziell betriebenes (Funk-)Netzwerk aufzubauen. London und Berlin hatten ja bereits gezeigt, dass so etwas möglich ist. Also habe ich mich als Freifunker auf freifunk.net registriert und alle drei Augsburger angeschrieben, die das auch schon getan hatten. Aber so richtig in die Gänge kam da erst einmal nichts. Anfang 2006 lernte ich beim Chaostreff Augsburg die ersten beiden Mitstreiter kennen und wir beschlossen, selbst aktiv zu werden. Im Juni 2006 gingen wir dann mit unserer eigenen Internetseite augsburg.freifunk.net online und installierten erste Access Points (Funkzugangsknoten), unter anderem auch einen auf einem hoch gelegenen Balkon am Hotelturm, was damals ein großer Schritt für Freifunk Augsburg war.

Matthias Stöbener: Wie verbreitet ist Freifunk in Augsburg? Sprich: Wo kann man in Augsburg über euer Netz am Freifunk teilnehmen?

Manuel Munz: Normalerweise beträgt die Reichweite von WLAN höchstens einige hundert Meter, oft funktioniert es ja schon durch zwei Wände nicht mehr. Andererseits sind bei freier Sicht und mit guten Antennen durchaus auch mehrere Kilometer machbar. Daher muss ich wohl zwei Antworten auf deine Frage geben. Die erste ist: Leider ist Freifunk noch nicht besonders verbreitet in Augsburg. Auf unserer Webseite haben wir zwei Karten mit den Standorten von Freifunkern in Augsburg. In deren Nähe sollte man sich mit dem Freifunknetz verbinden können. Da einige Nodes (Knoten) aber an sehr günstigen Standorten hängen, wie z.B. auf dem BLLV-Studentenwohnheim in Haunstetten oder am Hotelturm, können wir theoretisch mindestens zig-Tausend Augsburger erreichen, sogar über Augsburgs Grenzen hinaus ist eine Verbindung möglich. Wer z.B. aus Richtung Norden, Osten oder Süden die oberen Stockwerke des Hotelturms sehen kann, hat sehr gute Chancen, unser Signal zu empfangen. Am BLLV-Wohnheim strahlt ein Node Richtung Norden und deckt damit große Teile von Haunstetten ab.

Matthias Stöbener: Ich habe gelesen, dass es seit August 2008 Einschränkungen bei der freien Augsburger Surferei gibt. Stimmt das und was sind die Gründe?

freifunk_augsburg_logo_2.jpgManuel Munz: Ja, so mehr oder weniger stimmt das. Bis dahin waren die meisten Nodes so konfiguriert, dass sie automatisch an unbekannte Gäste IP-Adressen vergaben und diese nach dem Akzeptieren der Nutzungsbedingungen (keine Garantie, keine Haftung, kein rechtswidriges Verhalten...) ins Freifunknetz und auch ins Internet kamen. Auf den Access Points weisen wir auch darauf hin, dass Freifunk nicht Umsonstfunk bedeutet, dass wir von jenen, die nehmen, also auch erwarten, dass sie etwas zurückgeben. Leider kann man nicht gerade behaupten, dass das so funktioniert hat. Die meisten Gäste wollten ins Internet und sich nicht mit Freifunk beschäftigen. Internet über ein Mesh wie Freifunk zu teilen, bietet sich natürlich an und ist eine tolle Idee und auch eine wichtige Triebkraft zur Verbreitung solcher Netze. Freier Zugang zum Internet für alle und fast überall, das wäre ziemlich cool. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Last nicht auf einigen wenigen verbleibt, wie es bei uns leider lief. Wir haben dann zunächst versucht, durch eine Drosselung der Geschwindigkeit für Gäste Anreize zum Mitmachen zu schaffen, was nicht wirklich funktioniert hat, um dann im August Internetzugang für Gäste komplett abzustellen. Gäste können (derzeit) nur interne Seiten im Freifunk Augsburg sowie einige ausgewählte Seiten besuchen. Ein Problem, das wir hier in Augsburg haben, ist, dass die meiste Zeit nur ein Freifunker sein Internet freigab und über ihn der meiste Traffic ins Internet lief. Er hat jedoch angekündigt, den Zugang weiter einzuschränken, so dass demnächst auch für »Mitmacher« kein Internetzugang mehr möglich sein könnte. Es ist also derzeit unklar, wie das mit dem Internetzugang hier weitergehen wird. Ein oder zwei weitere Internetgateways wären definitiv gut zu gebrauchen.

Matthias Stöbener: Was könnte ich z. B. im Univiertel tun, um euch zu helfen?

Manuel Munz: Da gäbe es schon ein paar Möglichkeiten. Ein erstes Freifunknode im Univiertel einrichten zum Beispiel. Und dann am besten gleich über die Erfahrungen damit schreiben und vielleicht Anleitungen verfassen oder verbessern. Was auch hilft, ist einfach mit anderen drüber zu reden und sie zu informieren, viele wissen immer noch nichts oder viel zu wenig über dieses Projekt. Ja, oder drüber bloggen, danke!

Matthias Stöbener: Wenn ich die Anleitungen zu der Technik des Freifunks lese, erscheint mir als Techniklaien das alles recht kompliziert zu sein. Ich habe auch keine Lust, mir meine Geräte zu basteln. Könntet ihr nicht dadurch Abhilfe schaffen, dass ihr einen Service einrichtet, der Interessierten hilft, Freifunk zu Hause zum Laufen zu bringen? Vielleicht in Kooperation mit einem Augsburger PC-Dienst?

Manuel Munz: Zugegeben, das wirkt auf den ersten Blick alles recht verwirrend und kompliziert mit dem Freifunken, aber so wild ist es dann eigentlich gar nicht. Es wurde auch viel unternommen, um Freifunken so einfach wie möglich zu machen. Die Freifunk Firmware, die man einfach herunterladen und auf seinen Access Point installieren kann, bietet zum Beispiel eine Weboberfläche, wo alle wichtigen Einstellungen vorgenommen werden können. Wir bieten sogar an, sich eine fertig konfigurierte Firmware generieren zu lassen.

Die Idee einen Service anzubieten, der Freifunk für Techniklaien einrichtet, taucht immer mal wieder auf und die Meinungen gehen darüber auseinander. So gibt es die Ansicht, das würde zur weiteren Verbreitung von Freifunk beitragen und gleichzeitig wirtschaftlichen Nutzen bringen. Es wird hier unter anderem mit dem stetig wachsenden Markt für Supportleistungen für freie Software argumentiert und dass etwas Ähnliches sich auch um freie Netze herum entwickeln könnte. Ich tendiere jedoch eher dazu, so einen Service als inkompatibel und auch eher kontraproduktiv für freie Netze anzusehen. So lässt sich ein kommerzieller Service, wie du ihn hier ansprichst, schlecht mit dem Anspruch des Freifunks verbinden, ein unkommerzielles Community-Netzwerk zu sein. Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass, wenn Geld an so einen Dienst fliesst, Erwartungen bei den Kunden entstehen würden, die nicht erfüllt werden können. Im Freifunk gibt es keine Ansprüche und keine Garantien auf bestimmte Leistungen. Ausserdem wollen wir ja eben kein billiger Providerersatz sein, sondern ein Mitmachnetz. Zu den Zielen und der Vision von Freifunk gehört daher unter anderem auch, die Grenzen zwischen Anbieter und Konsument aufzuheben und notwendige Kompetenzen zu vermitteln, um dadurch am Ende Freiheit zu gewinnen.

Professor Klüver von der hiesigen Hochschule brachte das bei seiner Keynote zum Linux-Infotag 2008 auf den Punkt: "Ein Mehr an Freiheit verlangt stets auch ein Mehr an Wissen« (Artikel auf Blogsburg).

Es ist zudem die Frage, ob es einen solchen kommerziellen Service überhaupt benötigt oder ob es nicht sinnvoller ist, wenn die Community diese Aufgabe wahrnimmt. Wir haben mehrere Kommunikationskanäle, wo man Hilfe erfragen kann. Die Bereitschaft selbst etwas zu lernen und zu zeigen, dass man ernsthaft versucht hat, sein Problem selbst zu lösen, wird dabei allerdings meistens vorausgesetzt. Und wenn man wirklich nichts mit der Technik zu tun haben will, findet man vielleicht auch einen netten Nachbarn, der das Einrichten und Administrieren eines Access Points übernimmt. So werden dann auch gleich neue soziale Kontakte geknüpft.

Matthias Stöbener: Was bietet Freifunk in Augsburg an Diensten an?

rotesnetz_29.jpgManuel Munz: Freifunk Augsburg bietet genaugenommen lediglich eine Plattform zur Vernetzung in Form unserer Homepage und diverser Kommunikationskanäle. Was du aber wohl meinst, ist, was für Dienste innerhalb unseres Netzes zur Verfügung stehen. Diese werden aber nicht von Freifunk Augsburg, sondern von Einzelnen angeboten, und es wäre schön, wenn da noch viele dazu kämen. Derzeit laufen mehr oder weniger dauerhaft: Streams mit freier Musik (z. B. Creative Commons), die auch über HTTP und FTP erreichbar ist. Über FTP können hier eigene Alben hochgeladen werden, die dann ebenfalls gespielt werden. Es gibt auch eine Webproxy, über die man im Tor-Netzwerk und anonym im Internet surfen kann. Der Augsburger Blog Aggregator sammelt Beiträge von Blogs rund um Augsburg ein und gibt sie, auch freifunkintern erreichbar, in übersichtlicher chronologischer Reihenfolge wieder. Weitere Dienste findet man in unserem internen Wiki.

Es gibt übrigens auch die Möglichkeit, eigene Dienste im Netzwerk anzukündigen. Diese findet man dann unter dem Menüpunkt »Dienste« auf fast allen unserer Access Points. Wir sind über ein VPN auch mit anderen Städten verbunden, in denen es Freifunk gibt, können also auch auf deren Dienste zugreifen.

Matthias Stöbener: Was ist in dem nächsten Jahr von euch an Diensten geplant? Wo wollt ihr in einem Jahr mit eurer Arbeit in Augsburg sein?

Manuel Munz: Was unbedingt in Angriff genommen werden sollte, ist ein Domain Name System (DNS) innerhalb unseres Netzes aufzubauen. Momentan arbeiten wir hier vor allem mit IP-Adressen, so ist unser internes Wiki zum Beispiel unter http://191.161.10.31/ erreichbar. Das ist nicht besonders benutzerfreundlich, schöner wäre zum Beispiel http://wiki.ffa/. Desweiteren wird die neue Freifunk Firmware auf Basis von OpenWrt Kamikaze hoffentlich bald fertig, damit werden dann wesentlich mehr Geräte unterstützt werden. Ich habe vor, demnächst eine Webcam am Hotelturm zu installieren, damit mehr Leute die unlaubliche Aussicht von dort geniessen können.

Wohin die Reise sonst geht? Ich glaube, da gebe ich lieber keine Prognose ab, hoffe aber auf weiteres Wachstum.

Matthias Stöbener: Herzlichen Dank, lieber Manuel, für das Interview. Ich halte euer Projekt für eine gute Idee und will versuchen euch zu unterstützen, wo ich kann.

Manuel Munz: Vielen Dank für das Interview und deine Unterstützung.

Die verwendeten Logos stammen von Freifunk, das Bild "Rotes Netz" stammt von sassi / www.pixelio.de .

Matthias Stöbener 18.09.2008, 08.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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