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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Mord

Suizid bei Leipheim

Bis gestern war ich auf einem Online-Handelskongress in Mannheim. Mein Chef und ich fuhren gegen 18:30 Uhr in Mannheim ab. Augsburg sollte ich gegen 21 Uhr erreichen. Der ICE war gerade erst aus Ulm abgefahren, da gibt es einen kurzen Ruck, kaum spürbar, dann Vollbremsung des Zuges auf freier Strecke. Was ist jetzt los?

Zwei, drei Minuten später durcheilen Zugbegleiterinnen den ICE Richtung Ende, betretene Gesichter. Dann kommen sie wieder zurück. Durchsage: Wegen eines Personenschadens auf der Strecke, mussten wir bremsen. Wie es weitergeht, wissen wir nicht. Bitte haben Sie Geduld, wir werden Sie informieren. Wir Reisende schauen uns ratlos an. Sowas hat noch niemand erlebt. Personenschaden? Noch wagt keiner an einen Selbstmörder zu denken. Die Zugbegleiterinnen und -begleiter kümmern sich um uns. Bieten kostenlose Getränke an. Es sickert durch, dass sich wohl ein junger Mann im Bahnhof Leipheim vor den ICE geworfen hat. Etwa 200 Meter hat ihn der ICE mitgeschleift, aufgespießt auf den Dorn an der Zugnase.

Es heißt, wir müssten mindestens ein bis zwei Stunden warten. Die Staatsanwaltschaft samt Polizei war zuerst am Ort, dann die Rettungskräfte, die nicht mehr viel zu tun bekamen. Wir harren der Dinge. Nach einer geraumen Zeit ist klar, der Zugführer wird ausgetauscht, ein anderer Zugführer eingeflogen. Der neue Lokführer schiebt den ICE rückwärts in den Bahnhof Leipheim. Dort steigen die etwa 180 Reisenden unseres Zuges aus und auf einem anderen Gleis ein paar Minuten später in den nachfolgenden TVG, der uns Gestrandete aufnimmt und Richtung München mitnimmt.

Auf dem Bahnhof Leipheim kommen mein Chef und ich mit einem Mann ins Gespräch, der sich als Rettungssanitäter vorstellt. Es ist Saison meint er. Saison für Selbstmörder. Die Strecke ist ideal für Menschen, die auf diese brutale Weise Abschied von der Welt nehmen wollen (meistens wählen Männer diese Art des Todes). Der Merckle hat sich auch hier in der Nähe, etwa 20 Kilometer entfernt, vor den Zug geworfen. Winterende, das ist die Suizidzeit. Die Worte des Mannes sind nüchtern, erfahrungsgesättigt. Da kann man nichts machen, sein Tenor.

Eine Gesellschaft, in der in der Zwischenzeit mehr Menschen aus dem Leben scheiden als per Autounfall: Muss man eine solche Gesellschaft als "normal" betrachten? Kann man da wirklich nichts machen?

Matthias Stöbener 22.01.2009, 08.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Gute Arbeit, offene Fragen, Wut

verrohte_jugend_konstantin_gastmann_pixelio.jpg

Ein 17-Jähriger aus Königsbrunn soll das vergewaltigte Mädchen getötet haben, nach dessen Mörder die Augsburger Polizei die letzten Tage suchte. Zusammen mit Münchener Spezialisten konnte der wahrscheinliche Täter schnell dingfest gemacht werden. Dabei stellte sich heraus, dass Nora, so der Name des Opfers, einfach nur Pech hatte. Der Mörder, so die ersten Vernehmungsergebnisse, habe das Mädchen »einfach so« überfallen, zu Boden geschleudert, mit den Füßen ins Gesicht getreten, vergewaltigt und erwürgt. Einfach so. Nach einem Disco-Besuch.

Das Pech des Mörders: Er hatte früher ein Handy gestohlen. Am Ort des damaligen Einbruchs wurde eine DNA-Spur sichergestellt, die mit der jetzigen Tatort-DNA übereinstimmte. Als der wahrscheinliche Täter das gestohlene Handy in Betrieb nahm, konnte ihn die Polizei orten und festnehmen.

Es scheint eine Generation von jungen Leuten heranzuwachsen, die nicht nur brutal, sondern auch noch strohdumm ist. Was macht man mit solchen
brutalen jungen Menschen, die dazu auch noch dumm sind? In die Fremdenlegion stecken? Auf einer Karibik-Insel aussetzen, die bald vom Wasser verschluckt wird, wenn der Klimawandel fortschreitet? Begreift der junge Mann, wenn er der Täter war, überhaupt, was er gemacht hat? Besitzt er so viel Empathie, dass er sich vorstellen kann, wie viele Leben er zerstört hat? Das der Verwandten des Mädchen, das Leben seiner Eltern, sein eigenes, das Leben des Opfers Ich gestehe, dass ich sprachlos bin angesichts solcher Brutalität von jungen Menschen. Vor ein paar Wochen wurde in Augsburg schon der Fall von jungen Russlanddeutschen vor Gericht verhandelt, die einen anderen Jugendlichen auf dem Europaplatz im Univiertel halbtot geprügelt hatten, bevor der Pfarrer der nebenstehenden Kirche, aus dem Schlaf hoch geschreckt, einschritt.

Angesichts solcher Brutalität kommt Wut in mir hoch. Und ich denke: Aug um Aug und Zahn um Zahn, weiß aber gleichzeitig, dass das alttestamentliche Talionsprinzip nicht die Lösung sein kann. Aber wegschauen können wir nicht mehr. Es muss etwas passieren gegen die Gewalt von Randalierern, Neo-Nazis, nicht integrationswilligen Jugendlichen, so genannten »Fußball-Fans« und Mördern.

Matthias Stöbener 14.12.2007, 20.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Thrillervorlage

Seit mehr als drei Wochen geht es heiß her im Augsburger Schwurgericht. Ein Mann ist tot. Noch weiß man über die Hintergründe des Mords nicht alles. Die Staatsanwaltschaft versucht der Frau des Mannes den Mord nachzuweisen. Wenn auch noch vieles unklar ist, eines scheint sicher: Die Frau hatte es - wie sagt man? - faustdick hinter den Ohren. Zwei Kinder, beide von verschiedenen Männern, Unterhalt vom "falschen" Vater, mehrere Liebhaber, Seitensprünge, um den eigenen Mann "wachzurütteln".

Angesichts solcher Familienverhältnisse läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Ich dachte bislang immer, solche Lebensumstände kämen nur im Tatort vor. Und jetzt stellt sich heraus: Nein, alles ganz normal. Hier in Augsburg, der katholischen Hochburg von Bischof Mixa, werden die Vorlagen für spannende Thriller geliefert. Ich fasse es nicht.


Matthias Stöbener 18.11.2007, 11.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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