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Tag: Psychodrama

Spielend schreiben

Eine Schreibwerkstatt der anderen Art bietet die Augsburger Autorin und Dozentin Christiane Schlüter für alle an, die gern schreiben oder es schon immer mal versuchen wollten. Auf einer Werkstattbühne können die Teilnehmer in ihre Figuren hineinschlüpfen, die Schauplätze und Vorgeschichten erkunden und in Dialog mit den Figuren treten. Im Interview erzählt Christiane Schlüter mehr zu diesem ungewöhnlichen Ansatz.

Frage: Wie funktioniert deine Schreibwerkstatt, liebe Christiane?

Schlueter_Christiane0901.jpgChristiane Schlüter: Wenn man vor dem Bildschirm oder vor dem leeren Papier sitzt, spielt sich alles im Kopf ab. Es braucht viel Fantasie und Kreativität, damit die Dinge, die man schreiben will, wirklich lebendig werden. Auf der Werkstattbühne geht das einfacher, denn die Autoren können hier in ihre eigenen Geschichten eintauchen. Sie können ihren Figuren begegnen und mit ihnen sprechen oder den Dialog der Figuren untereinander verfolgen. Das Ganze ist wie ein Rollenspiel, wobei ausschließlich der Autor bestimmt, was auf der Bühne passieren soll.

Frage: Kannst du mal ein Beispiel nennen?

Christiane Schlüter: Nehmen wir mal einen Krimi. Den Kommissar und den Mörder soll ein geheimes Motiv verbinden. Der Autor weiß jedoch noch nicht genau, worum es sich dabei handeln könnte. Auf der Werkstattbühne schlüpft er in die Rolle seines Kommissars, betrachtet aus dessen Perspektive den Mörder und spricht mit diesem. Dann wechselt er die Seite, schaut aus Sicht des Mörders auf den Kommissar und kommt mit ihm ins Gespräch. Die jeweilige Gegenrolle übernimmt ein anderer Teilnehmer. Auch Szenen mit mehr als zwei Personen können gespielt werden je nachdem, wie viele Teilnehmer mitmachen möchten.

Frage: Und woher wissen die Mitspieler, was sie sagen sollen?

Christiane Schlüter: Das gibt ihnen der Autor vor, indem er es ihnen erst vorspielt, dann spielen sie es nach, und der Autor schaut zu. Dabei wird er ganz sicher Neues erkennen. Im Anschluss an das Spiel werden außerdem alle Mitspieler zu ihren Erlebnissen in ihren Rollen interviewt. Hieraus gewinnt der Autor noch mehr Erkenntnisse und kann nun daheim mit neuem Elan weiterschreiben.

Frage: An den Werkstattabenden werden also keine literarischen Texte verfasst?

Christiane Schlüter: Nein. Deshalb können auch Leute mitmachen, die bereits einer festen Schreibgruppe angehören, es entsteht hier keine Konkurrenz. Aber natürlich kann man sich in der Werkstatt Notizen machen. Wäre ja sonst schade um die guten Ideen, die im Spiel aufgetaucht sind.

Frage: Können auch Leute mitmachen, die keine konkreten Schreibprojekte haben?

Christiane Schter: Man kann auch eine bloße Idee, einen ersten Satz oder den Anfang eines Gedicht es auf die Bühne bringen. Und wenn man selbst gar kein Thema hat, kann man in den Projekten der anderen mitspielen. Das inspiriert auch.

Frage: Hat die Methode, die du anwendest, auch einen Namen? Und hast du selbst schon Erfahrungen mit dieser spielerischen Herangehensweise gemacht?

Christiane Schlüter: Die Methode heißt Psychodrama was einfach nur bedeutet, dass seelische Inhalte, also in diesem Fall literarische Ideen, im Bühnenspiel sichtbar gemacht werden. Der Name klingt leider etwas befremdlich, so ein bisschen nach »schreiend auf dem Boden wälzen«. Aber darum geht es überhaupt nicht. Mit der Methode habe ich selbst schon viele gute Erfahrungen gemacht und darin auch eine Ausbildung absolviert. Es gibt nichts Besseres für jemanden, der seine Kreativität fördern möchte. Ich habe auch schon mit Autoren einzeln psychodramatisch gearbeitet. Das geht dann ein wenig anders, weil man ja keine Mitspieler hat. Aber es funktioniert genauso gut übrigens sogar bei Schreibblockaden. Am besten, man probiert es
einfach mal aus!

Zum Hintergrund des Interviews: Literarische Werkstatt in der Galerie

Die Literarische Werkstatt findet an mehreren Abenden im Winterhalbjahr statt. Ort: Galerie Zwei Fenster, Kirchgasse 22 in Augsburg.

Kosten: 10 Euro (Schüler, Stud., Arbeitslose: 7 Euro) pro Abend.

Wer sich für das Projekt interessiert, kann unverbindlich zu einem der kostenlosen Info-Abende kommen, die am Mittwoch, 28., und Donnerstag, 29.10., jeweils um 20 Uhr in der Galerie stattfinden.

Die weiteren Termine werden von den Teilnehmern vor Ort vereinbart.

Infos unter Tel. 08 21/26 22 838 und nane1002(at)gmx.de sowie

http://www.christiane-schlueter.de .

Matthias Stöbener 19.10.2009, 22.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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