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Tag: abc-Festival
Mut zum Flirt
Ehrlich gesagt: Ich komme nicht mehr mit. Vielleicht liegt es an meinem IQ oder daran, dass ich die Windungen der Augsburger Kulturpolitik nicht verstehe. Albert Ostermaier bekommt den Augsburger Bertolt-Brecht-Preis! Hä? Den Namen habe ich doch schon einmal gehört! Ja richtig. Dieser bedeutende zeitgenössische Theaterautor hat früher das abc-festival zu Brecht geleitet. Doch die Augsburger Kulturpolitik hat das abc-festival eingestellt und durch ein neues Brechtfestival ersetzt. Und dabei trennten sich die Wege von Ostermaier und Augsburg. Sehr zum Leidwesen vieler Augsburger.
Ja, ich komme nicht mehr mit. Vielleicht liegt das daran, dass jetzt die Jury dem Exilierten den Bertolt-Brecht-Preis zukommen lässt und damit einen Mann ehrt, der Brecht kennt, liebt und in seinen Stücken fortführt. Schade, schade, dass Augsburg diesen Mann hat ziehen lassen, diesen engagierten Brechtfan, der es schaffte, das Augsburger Festival über den regionalen Sumpf zu heben und in den großen Medien im In- und Ausland unterzubringen. Leider scheint das der Stadt momentan nur selten zu gelingen.
Man muss nicht der Meinung sein, dass die Augsburger Kulturpolitik im Moment am Scheitern ist, um zu bedauern, dass Albert Ostermaier nicht mehr in die Brecht-Aktivitäten der Stadt eingebunden ist. Über politische Lager hinweg wäre es erforderlich, alle wichtigen und bekannten Brecht-Fans und Künstler, die in seinem Sinne arbeiten, an Augsburg zu binden. Wie anders sollte es möglich sein, dass aus dem neuen Brechtfestival eine Veranstaltung wird, die Augsburgs Kulturkompetenz leuchten lässt? Es wäre schön, wenn der Bertolt-Brecht-Preis zu einem erneuten Flirt der Stadt mit Ostermaier führen würde. Politische Flirts schaden manchmal weniger als private.
Matthias Stöbener 13.01.2010, 21.28 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Herzlichen Glückwunsch, Herr Grab!
Sie haben es geschafft! Endlich ist er weg, der Herr Obermaier mit seinem abc-Festival. Mein Gott, ich hab es kaum mehr ertragen, wie andere Städte Augsburg um das renommierte Literaturfest beneideten, auf uns schauten, uns lobten! Ich denke, Ihnen ging es genauso. Man möchte sich als Augsburger verstecken, wenn Größen wie Grönemeyer oder Kehlmann hier antanzen. Was soll man schon als miefiger piefiger Augsburger mit solchen Leuten reden? Da hat man hier doch gar nicht den Horizont dazu - und verplappern ist einfach peinlich.
Gut, dass solche Leute jetzt nicht mehr nach Augsburg kommen! Sie haben völlig Recht, Herr Grab: Augsburger Künstler müssen sich um Brecht kümmern! Ich kenne da z. B. Arno Löb. Der wäre wirklich besser als alles Auswärtige geeignet, Brecht so vorzutragen, wie er war. Vielleicht können seine Altherren-Rocker von Impotenz noch ein paar Liedchen fiedeln. "Nutten an die Macht" ist ja schon ein Erfolg geworden. Vielleicht kann er ein neues Lied zu Brecht schreiben: Brecht hat Recht.
Oder die Toskanische-Säulenhalle-MalerInnen: Könnten die nicht mal einen Brecht-Kreuzweg in öffentlichen Räumen Augsburgs installieren: Wie das hiesige Spießbürgertum seinen berühmten Sohn misshandelt hat.
Und Sie haben auch völlig recht, Herr Grab, dass 400.000 Euro für die Stadtkasse und 7.000 Besucher des Festivals einfach zuviel sind. 57,14 Euro pro Besucher! Das darf ja wohl nicht wahr sein!
Bitte, bitte, Herr Grab: Lassen Sie nicht locker! Schaufeln Sie schnell noch gleich dem Stadttheater das Grab! Da müssen wir Bürger doch auch nur draufzahlen! Sind doch sowieso meist CSU-Leute, die da hingehen - und die werden ja täglich weniger. Also weg mit dem Stadttheater! Freie Diskos für die Jugend! Oder: Alles ins Stadion, auf die Maxstraße! Betrunkene lohnen sich immer. Da verdienen wir mal endlich was, wenn die Leute die Bierkästen leeren - und gute Stimmung kommt auch auf, vorausgesetzt, der FCA verliert nicht dauernd.
Ich finde es gut, lieber Herr Grab, dass Sie Augsburg wieder ein Stück provinzieller machen. Ich kann mir vorstellen, dass viele das in dieser Stadt so wollen. Die Kreativen werden vielleicht abwandern. Aber um die war es sowieso nie schade. Die machen immer mehr Probleme als die Leute, die brav ihr Bier in der Maxstraße nuckeln, ein Senfbratwürstchen runter schlingen und den Dackel drücken.
Das verwendete Bild stammt von Arno Löb.
Matthias Stöbener 09.10.2008, 08.04 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL




