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Unter der Oberfläche von Frust
Jüngst will die Bertelsmann Stiftung herausgefunden haben, dass etwa 70 % der Deutschen ihr Vertrauen in Politik und Wirtschaft verloren haben. Fast schon jeder zweite Deutsche lehnt die repräsentative Demokratie und die Marktwirtschaft ab. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Ja, es gibt immer weniger Menschen in meinem Umfeld, die mit den herrschenden Bedingungen und Verhältnissen zufrieden sind. Einen ganz großen Knacks im Vertrauen ins System hat die Finanzkrise und das Handeln der Politiker gebracht. Dazu kommt die Globalisierung, die deutlich macht, dass wir einen Wandel unseres bisherigen Systems brauchen.
Aber was wollen die Menschen? Die Bertelsmann Stiftung sagt: Die Menschen wollen mehr Partizipation. Die Bürger wollen mehr in politische Prozesse eingebunden werden. Augsburg zeigt, dass das stimmt. Ich sage nur Stadtbad. Die Leute haben es satt, dass in irgendwelchen Hinterzimmern von Parteien Entscheidungen getroffen werden, die völlig an ihren Wünschen vorbei gehen. Und langsam kommen die Menschen in Fahrt! Sie setzen sich dafür ein, dass an den richtigen Stellen gespart wird. Sie setzen sich dafür ein, dass ihnen nicht das, was ihnen wichtig ist, verloren geht. Noch vor ein paar Jahren wurde der Politiküberdruss beklagt, wurde beklagt, dass die Bürger zu bequem seien. Und jetzt nehmen immer mehr Bürger die Politik selbst in die Hand!
Vor allem wollen sich die Bürger nicht mehr von den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik bevormunden lassen, sagt die Studie. Auch dafür ist meiner Meinung nach Augsburg ein gutes Beispiel. Immer, wenn in letzter Zeit in Augsburg die Stadtregierung gegen ihre Bürger nicht durchkommt, heißt es, man habe Kommunikationsprobleme, es sei alles nicht so gemeint gewesen. Nur notdürftig wird damit kaschiert, dass es schwerer für die Politiker wird, gegen die Bürger zu regieren. Gier, Lobbyismus und Abkoppelung von der Wirklichkeit sind nach der Studie die Gründe, warum das Volk aufsteht und mobil macht. Unter der Oberfläche von Resignation und Frust entwickele sich ein enormes Potential von Menschen, die abseits der Parteien, Medien und etablierten Institutionen neue soziale Bewegungen tragen. Dieses Potenzial für eine neue Partizipationsbewegung sei mindestens so groß wie die Ökobewegung. Da kann ich aus meinen Erfahrungen und meinem Umfeld nur zustimmen.
Matthias Stöbener 21.03.2010, 10.27 TB | PL | einsortiert in: | Tags: Partizipation, Bertelsmann Stiftung, Unzufriedenheit,
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