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Ein erschreckender Fund

Sie werden sagen: Das kommt in den besten Familien vor. Aber das ist kein Trost. Für den Betrogenen ist es kein Trost. So etwas zu verarbeiten dauert oft Jahre. Und manchem gelingt es nie. Aber lassen Sie sich erzählen.

Gestern Abend wollte ich das Altpapier zur Tonne tragen. Ich greife mir die Zeitungen, Magazine und Werbeprospekte, da rutscht mir ein Brief an meine Frau aus der Hand. Ein gewisser N. N.  hat ihr geschrieben. Sogar mit Bild. Ein strahlender Mann mit seriöser Hornbrille, edlem Anzug, blauem Business-Hemd und dezenter dunkelblauer Krawatte. Ein Mann, wie ihn sich jede Mutter als Schwiegersohn wünschen würde.

Vielleicht hätte ich nicht lesen sollen, was er meiner Frau geschrieben hat. Dass es wichtig sei, einen kompetenten Partner zu haben! Dass sie in der Zeit zwischen 23. und 31. Oktober zu ihm kommen soll und er sich auf ihren Besuch freut. Mein Herz raste, das Blut schoss mir in den Kopf. Wo hatte meine Frau diesen Typen kennengelernt. Der Nachname klang norddeutsch für mich. Meine Frau stammt aus Bielefeld. Vielleicht kennen sich die beiden schon aus der Schule, überlegte ich. Meine Frau erzählte mir mal, dass sie am Gymnasium in ihrer Klasse einen Freund gehabt hat. Und jetzt haben sie sich irgendwie in Augsburg wieder getroffen!

Verdächtig, dachte ich, dass mir meine Frau von dem Brief nichts erzählt hat. Was hat sie zu verbergen? Meine Hände zitterten, als ich las, dass der Herr N. N. sogar noch Geschäftsleiter bei einem großen Möbelhaus in der Nähe ist. Mein erster Gedanke war: "Der verdient bestimmt mindestens das 30-fache wie ich. Gegen den habe ich keine Chance." Ja, ich gebe zu, solche primitiven steinzeitlichen Gedanken schossen mir in den Kopf. Aber in PSYCHOLOGIE HEUTE habe ich gelesen, dass Frauen schon seit Urzeiten auf Sicherheit aus sind und sie aufgrund ihrer Genetik nichts dafür können, dass ein Mann mit hohem Verdienst attraktiver auf sie wirkt als ein armer Schlucker.

Und damit meine Frau sich mit ihm trifft, schenkt dieser N.N. ihr einen Rabattausweis und lockt sie auf der Rückseite seines Briefes mit Tranchen vom gegrillten Schweinefilet in das Restaurant seines Möbelhauses! Als ich das las, kullerte eine Träne über den unteren Lidrand meines rechten Auges. Wie oft hatte ich dort schon mit meiner Frau zu Mittag gegessen oder einen Kaffee getrunken!

Matthias Stöbener 17.10.2009, 11.12 TB | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Möbelhaus, Geschäftsleiter, Werbebrief,

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