
Offener Brief an OB Gribl

Bitte nicht mit fremden Federn schmücken
Sehr geehrter Herr Dr. Gribl,
mit großem Erstaunen haben wir zur Kenntnis genommen, dass Sie via Neuer Sonntagspresse bekannt gegeben haben, dass Sie den Punkt aus Ihrem 100-Punkte-Programm »Aktionen gegen illegales Graffiti« erledigt hätten.
Dies hat uns zum einen erstaunt, weil das Konzept für ein Graffitiprojekt, das der Kulturausschuss diskutiert hat, von unserer Fraktion erarbeitet und eingebracht wurde. Weder Sie noch die CSU-Fraktion waren daran aktiv beteiligt. Es zeugt nicht von Souveränität und Überparteilichkeit eines Oberbürgermeisters, dass Sie den Erfolg für sich reklamieren ohne zu erwähnen, dass das Konzept auf einen Antrag der Grünen zurückgeht. Interessant ist, dass Sie ein Projekt verkünden lassen, das im Kulturausschuss noch gar nicht verabschiedet wurde, sondern auch mit den Stimmen Ihrer Fraktion auf die nächste Sitzung verwiesen wurde.
Zum anderen ist auch die Zielrichtung unseres Antrags eine andere. Im Antrag, der dem Kulturausschuss vorgelegt wurde, geht es im Kern um die positive Würdigung der Kunstform Graffiti, der mehr legale Möglichkeiten eingeräumt werden sollen. Bei diesem Ansatz ist es nur ein Nebeneffekt, dass illegales Graffiti weniger werden soll.
Wir äußern mit diesem Brief die Erwartung, dass Sie in Zukunft auch die Verdienste anderer Fraktionen benennen und nicht wie bisher nach dem Prinzip verfahren: Erfolge gehen ohne Würdigung anderer Beteiligter auf Ihr Konto, Misserfolge oder Schwierigkeiten werden der politischen Konkurrenz zugeschrieben. So sieht kein fairer Umgang aus.
Mit freundlichen Grüßen
Verena von Mutius und Christian Moravcik
Anlage 2: Der Antrag der Grünen Fraktion
08.10.2009
Unterstützung für Graffitikünstler/-innen
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
in der Stadt Augsburg bestehen zur Zeit nur wenige Möglichkeiten für Graffiti-künstlerInnen legal ihrem Hobby nach zu gehen. Illegale Graffiti sind ein Ärgernis für viele BürgerInnen und durch das wilde Sprayen entstehen beachtliche Schäden an privaten und öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen. Um diesen Sachbeschädigungen entgegen zu wirken und den KünstlerInnen eine adäquate Alternative zu Illegalität zu bieten, stellt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
folgenden Antrag:
Die Verwaltung wird beauftragt:
1. Weitere Flächen im Stadtgebiet Augsburg für legales Graffiti, nach dem Vorbild des Projektes »Wiener Wand" freizugeben.
2. Diese Flächen und deren Grenzen durch ein einheitliches Symbol auszuweisen.
3. EineN festen AnsprechpartnerIn für die Freigabe von weiteren Graffitiflächen in der Verwaltung zu benennen.
4. Informationsmaterial und eine Internetpräsenz über die Lage von legalen Graffitiflächen im Stadtgebiet, sowie zur Bekanntgabe von Nutzungsregeln zu erstellen.
Des Weiteren soll geprüft werden:
5. In wie weit die Aufgabe der Betreuung der Flächen der Vereinigung »Die Bunten" übertragen werden kann.
6. In wie weit die Vereinigung »Die Bunten" damit beauftragt werden kann, weitere mögliche Flächen zu suchen und diese in Zusammenarbeit mit der Verwaltung für legales Graffiti freizugeben und auszuweisen.
Begründung:
Graffiti werden in der Bevölkerung oft als Schmierereien wahrgenommen. Durch Graffiti an privaten Gebäuden entstanden laut Polizeipräsidium Schwaben Nord im Stadtgebiet Augsburg in den Jahren 2006 100.000€, 2007 175.000€ Schaden. Graffiti ist ein Teil der urbanen Jugendkultur und kann nicht mit Verboten oder der Androhung von Strafen verhindert werden. Vielmehr muss eine moderne Stadt die Elemente der Jugendkultur aufnehmen und hierfür Freiräume schaffen. Die Stadt Wien hat dies mit dem Projekt »Wiener Wand" gemacht, dessen Beispiel Augsburg folgen sollte. Durch das Auszeichnen von legalen Graffitiflächen gingen die Sachbeschädigungen an privaten Gebäuden spürbar zurück. Zudem fühlen sich die SprayerInnen mit ihrer Kunst ernst genommen und begreifen sich als Teil der Stadtgemeinschaft.
Viele JugendsozialarbeiterInnen und LehrerInnen führen mit ihren Klassen Graffitiworkshops durch. Eine geeignete Fläche zu finden fällt jedoch schwer und es ist erst die Genehmigung einzuholen, diese Fläche besprühen zu dürfen. Diese Verwaltungsgänge erübrigen sich durch die gekennzeichneten legalen Flächen. Die ehrenamtliche Jugendarbeit, die Arbeit der Jugendhilfe und der LehrerInnen wird dadurch gestärkt und vereinfacht.
Durch die Betreuung der Flächen durch die Vereinigung »Die Bunten" werden die Verwaltungskosten minimiert und das gesellschaftliche Engagement der jungen Bürgerinnen und Bürger gestärkt. Zudem erwarten wir durch die Mitverwaltung der Graffitiszene durch »Die Bunten" die ver-stärkte Einhaltung der Nutzungsregeln. Das Projekt soll in der Anfangszeit verstärkt durch Workshops an Schulen, in der Jugendarbeit und bei Jugendkulturfestivals wie dem »Modular" begleitet werden. Des Weiteren verweisen wir auf den angehängten Projektbericht »Wiener Wand", sowie die Projektseite der Stadt Wien: www.wienerwand.at
Mit freundlichen Grüßen
Christian Moravcik, Verena von Mutius, Reiner Erben, Eva Leipprand, Martina Wild, Dieter Ferdinand
Matthias Stöbener 18.05.2010, 09.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Politik | Tags: Offener Brief, Gribl, Graffiti,
Man muss sich nur den richtigen Namen einfallen lassen
Matthias Stöbener 29.04.2010, 09.31 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Soziales | Tags: City, Aktion, Einzelhändler, neoliberale Politik,
Eintritt frei
Matthias Stöbener 16.04.2010, 08.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Veranstaltungen | Tags: Slam, Poetry Slam,
Grundremmingen ist nicht weit
Matthias Stöbener 02.04.2010, 13.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Ökologie | Tags: Atomkraft, Grundremmingen, Solarstrom,
Modellstadt Leverkusen
In Augsburg gibt es doch für Asylbewerber schöne Gemeinschaftsunterkünfte in stilvollen alten Kasernen! Dort brauchen sie nicht einmal Deutsch zu sprechen, sie sind unter sich und werden nicht mit den Sorgen des Alltags überfrachtet. Man stellt ihnen Essenspakete zur Verfügung. Und damit sie nicht in Deutschland unter die Räder kommen, beschützt man sie mit der Residenzpflicht.
Aber jetzt meinen Frau Kamm und Frau Roth, das sei alles nicht gut und fordern, "dass die Unterbringung und Verpflegung von Asylbewerbern in Bayern dringend geändert werden muss". Zwar habe man schon die Residenzpflicht gelockert, aber das gälte nicht für Geduldete. Es müsse den Menschen erlaubt werden, sich Arbeit zu suchen und selbst für den Lebensunterhalt aufzukommen.
Und dann kommt es knüppeldick in der Pressemitteilung der beiden grünen Frontfrauen: "Bayern leistet sich die teuerste und schlechteste Art der Verpflegung von Menschen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben müssen. Essenspakete erfordern einen hohen Verwaltungs- und Arbeitsaufwand und entmündigen und beschränken die Bezieherinnen und Bezieher. Die Abschaffung der Essenspakete und die Einführung von Pauschalsätzen ist ein humanitärer und kostensparender Akt. Die Betroffenen sollten möglichst schnell dazu befähigt werden, ihr Leben selbst zu gestalten und zu finanzieren." Nur so ließen sich die Kosten für die Unterkünfte, für die Logistik von Essenspaketen und Kleidungslieferungen effizient reduzieren, wenn die Menschen sich selbst versorgen dürften und die Beträge, die ihnen nach Asylbewerberleistungsgesetz zustehen, auch wirklich erhalten würden. "Die Unterkünfte für Asylbewerber in Bayern sind oftmals in denkbar schlechtem Zustand. Viele Räumlichkeiten sind verschimmelt und die sanitären Anlagen mangelhaft, weil ehemalige Kasernen, Container und Holzbaracken als Unterkünfte verwendet werden. Flüchtlinge müssen das Recht erhalten, sich selbst Wohnungen zu suchen oder z. B. in kleinen Wohngemeinschaften zusammen zu leben. Die Unterbringung in Sammelunterkünften sollte, z. B. in Übergangsphasen, die Ausnahme und nicht die Regel darstellen, aber auch dann sollten diese Unterkünfte in normalen Wohnhäusern eingerichtet sein", meinen die beiden Politikerinnen.
Die Grünen glauben jedenfalls, dass sich Augsburg und Bayern an Leverkusen ein Beispiel nehmen könne. Dort bringt man Flüchtlinge in Privatwohnungen unter, gibt ihnen eine Versorgungspauschale (Bargeld) und sie können sich selber helfen. Angeblich zeigen die Erfahrungen aus Leverkusen, dass die Betroffenen mit dem Geld gut und selbstbestimmt wirtschaften können - und das System sei günstiger. Wenn ich darüber nachdenke, kommt mir der Vorschlag ganz vernünftig vor. Warum sollten Asylanten und Geduldete nicht mitten unter uns leben? Dann müssten sie Deutsch lernen, sie würden Bekanntschaften und Freundschaften knüpfen, würden mitbekommen, wie hier das normale Leben läuft und würden lernen, sich selbst zu helfen. Möglicherweise können die Menschen aus Afrika und anderen Weltgegenden mehr, als ihnen die CSU, die meiner Meinung nach noch viel zu sehr an alten Denkmustern festhängt, zutraut. Es käme auf einen Versuch an.
Matthias Stöbener 28.03.2010, 08.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Soziales | Tags: Asylanten, Geduldete, Modellstadt, Leverkusen,
Löbs letzter Streich?
Matthias Stöbener 27.03.2010, 07.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Veranstaltungen | Tags: Streich, Arno Löb, Heimatfilm, Dinkelscherben,
Wider Behördenrefugien
Matthias Stöbener 26.03.2010, 08.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Politik | Tags: sparen, Hermann Weber, Verwaltung, Finanzen,
Inkonsistente Politik
Mit ihrem Abstimmverhalten zeigen die Augsburger Bundestagsabgeordneten von CSU, FDP und SPD meiner Meinung nach, dass sie sich ihren Bundesparteien beugen und den Bund weiterhin zu Lasten der Kommunen Geld verteilen lassen. Selbst regierungstreuen Stadtoberhäuptern wie z. B. der CDU-Bürgermeisterin von Frankfurt reicht dieses Verschieben der Belastungen auf die Kommunen langsam. Eigentlich, das wissen angeblich viele Politiker, muss es zu einer umfassenden Reform der Finanzstrukturen zwischen Bund, Ländern und Kommunen kommen. Aber das wird wohl nicht gelingen. Die gleichen Abgeordneten, die in ihren Wahlkreisen und Kommunen alles Mögliche versprechen, stimmen im Bundestag anscheinend, wenn es drauf ankommt, gegen die Interessen ihrer Bürger vor Ort.
Und so wird wohl die Entwicklung zu Lasten von Städten wie Augsburg weitergehen: Der Bundesanteil an den Unterhaltsleistungen wurde, so schreiben die Grünen in ihrer Pressemitteilung, in den vergangenen Jahren wiederholt gesenkt, obwohl die Kosten der Gemeinden für diese Pflichtleistung kontinuierlich gestiegen sind. »Im Jahr 2007 betrug der Anteil noch 31,8 %. Die erneute Senkung des Bundesanteils auf 23 % hat zur Folge, dass die im Krisenjahr 2010 ansteigenden Unterkunftskosten für ALG II-Beziehende allein von den Kommunen getragen werden. Während der Bund seine Ausgaben auf 3,4 Mrd. Euro verringert, steigt allein im Jahr 2010 der kommunale Anteil von 10 auf 11 Mrd. Euro.«
Tja, wenn ich lokaler Politiker wäre, würde ich aus bestimmten Parteien schleunigst austreten und mich Gruppierungen anschließen, die auf allen politischen Ebenen für die Belange der Kommunen eintreten und sich nicht von bundespolitischen Entscheidungslinien irritieren lassen. Wie könnte ich denn meinen Wählern vor Ort noch in die Augen sehen, wenn ich mich im fernen Berlin gegen deren Interessen eingesetzt hätte? Man muss ja unseren OB Dr. Gribl nicht lieben, um Mitleid mit ihm zu haben. Wo soll er denn die von 2.576.000,- €, die Augsburg aufgrund bundespolitischer Entscheidungen seiner Parteifreunde an Mehrkosten entstehen, hernehmen? Das Stadtbad scheint er nicht verkaufen zu können. Vielleicht kann er das Theater auf die lange Bank schieben, bis es so marode ist, dass es von der Bauaufsicht geschlossen wird und er die Kosten auf diesem Weg los wird. Oder er verkauft das Augsburger Wasser an Coca-Cola, das Rathaus an die Otto-Gruppe, um mitten in der Stadt ein ECE-Center einzurichten, die Stadtwerke an Warren Buffet, alle öffentlichen Gebäude an die Augsburger PATRIZIA, von der er sie wieder zurückmietet Da ist finanzpolitische Kreativität gefragt. Ich könnte nicht mehr schlafen.
Matthias Stöbener 25.03.2010, 09.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Politik
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Matthias Stöbener 23.03.2010, 08.50 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Firmen | Tags: Stellenanzeige, Werbung, Konzept, Full-Service-Agentur,
Unter der Oberfläche von Frust
Matthias Stöbener 21.03.2010, 10.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Partizipation, Bertelsmann Stiftung, Unzufriedenheit,
Traurig, traurig
Waldsassen (bairisch: Woldsassn), die Stadt im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth z. B., erscheint dem bekannten Augsburger Krimi-Schriftsteller und Dracula-Forscher Arno Löb sehr attraktiv. Im Moment befindet er sich auf Reisen durch die bayerischen Gefilde, um sich - wie er sagt - einen "kulturell attraktiveren" Lebenskreis zu suchen. Über das kulturelle Zentrum des Oberpfälzer Stiftslands gerät Löb geradezu ins Schwärmen. Die Menschen seien viel freundlicher und kulturell aufgeschlossener als die Augsburger (was ja keine Kunst ist) .
In höchsten Tönen lobt er, was in Waldsassen für die Musik getan wird: In der Basilika konzertierten bedeutende Orchester (beispielsweise die "Bamberger Symphoniker") und Dirigenten (zum Beispiel Leonard Bernstein, Colin Davis). Darüber hinaus finden, von der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen veranstaltet, jährlich Musikseminare statt, von denen die Internationale Orgelakademie und die Internationale Singwoche im Sommer die bedeutendsten sind. Und das alles bei nur knapp mehr als 7.000 Einwohnern. Da könne Augsburg einpacken, meint Arno Löb. Was aber bei der jetzigen Stadtregierung, die ihn geradezu ins Asyl treibe, kein Wunder sei. Die Kultur habe die Augsburger Politik nur noch im Fokus, wenn es ums Sparen ginge.
Obwohl in Waldsassen auch die CSU regiert, geschieht dort Revolutionäres. "Emailgeschirr - Küchenrevolution in der Gründerzeit" - unter diesem Motto steht die diesjährige Sonderausstellung des Stiftlandmuseums Waldsassen. In Augsburg habe er noch nicht einmal eine Küchenrevolution erlebt, klagt der meist schwarz bekleidete Dichter und Denker Löb. Geschweige denn sonst etwas Aufregendes.
Ob es Löb ernst ist mit dem Weggang von Augsburg? Schwer zu sagen. Aber in seinem Krimitagebuch schreibt er: "Beim Erkundungsgang in Waldsassen entdeckte ich eine Sensation: Hier gibts den besten Lebkuchen der Welt! Juhu!" Wie ich Arno Löb kenne, ist das ein schlagendes Argument, Augsburg den Rücken zu kehren. Denn in Augsburg gibt es bald vom Rathaus bis zum Dom und vom Moritzplatz bis zur Ulrichskirche nur noch Selbstbedienungs-Backwerk-Filialen.
Matthias Stöbener 20.03.2010, 13.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur | Tags: Kulturpolitik, Waldsassen, Arno Löb,
Dr. Sebastian Seidel zum Thema Kulturpolitik
Matthias Stöbener: Herr Dr. Seidel, sagen Sie uns, wie man Theatergründer wird und was es braucht, ein Theater über so viele Jahre erfolgreich zu betreiben, wie Sie das tun?
Dr. Sebastian Seidel: Es gibt kein Patentrezept, wie man ein Theatergründer wird. Es sind viele Dinge zusammengekommen (Ideen, Menschen, Finanzierung) und die haben sich über die Jahre erstaunlich gut entwickelt. Man braucht einen sehr langen Atem, ein Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen und viel Oppositionsgeist.
Matthias Stöbener: Warum haben Sie sich Augsburg als Standort Ihres Theaters gewählt, wäre nicht München der bessere Platz gewesen?
Dr. Sebastian Seidel: Als ich in Augsburg Studententheater gemacht habe, habe ich mich immer gewundert, warum es in Augsburg kein eigenständiges, freies, professionelles Theater gibt wie in jeder anderen größeren Stadt. Es musste also noch eins gegründet werden!
Matthias Stöbener: Die Stadt Augsburg muss sparen. Es scheint, dass sie das an der Kultur und öffentlichen Einrichtungen für Bürger machen will. Glauben Sie, das Theater Augsburg bekommt die nötigen 100 Mio. € zur Sanierung. Werden Sie und Ihr Theater weiter von der Stadt unterstützt werden?
Dr. Sebastian Seidel: Das Grundproblem ist die mangelnde Finanzierung der Kommunen und ihre Abhängigkeit von der Gewerbesteuer. Alle Stadtbewohner müssen zusammen mit ihren Lokalpolitikern einen Aufstand machen und sich gegenüber der Bundespolitik für eine bessere Finanzierung der Städte einsetzen. Sonst werden in den kommenden Jahren viele öffentliche Einrichtungen geschlossen werden müssen. Wollen wir das hinnehmen?
Zur Sanierung des Theaters gibt es überhaupt keine Alternative! Und zur Förderung des Sensemble Theaters: Wir zeigen, wie man mit einer kleinen Grundförderung die Eigenfinanzierung auf über 70% steigern und damit 10 Künstler finanzieren kann. Wir sind ein Zukunftsmodell, das auch in Zukunft gefördert werden wird.
Matthias Stöbener: Ich glaube, die Demokratie wird nicht am Hindukusch, sondern hier in unserer Stadt verteidigt, indem die Stadt Geld für öffentliche Leistungen an Bürger ausgibt, wie Schwimmbäder, Kultureinrichtungen, Bibliotheken etc. Können Sie sich dieser Meinung anschließen?
Dr. Sebastian Seidel: Ja, vollkommen. Herr Naumann hat dazu gerade alles Wesentliche gesagt: "Freiheit wird im Theater verteidigt."
Der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) hat vor weiteren Kürzungen der Kulturausgaben gewarnt. Die Politik müsse auch das Glück und die Freiheit der Menschen sichern, sagte Naumann: "Politiker sehen sich in diesem Land als Mäzene, die sich herabneigen und der Kultur etwas spenden aus dem Steuersäckel niemals würden wir das vom Verteidigungsminister sagen", meinte der 68-Jährige. "Deutschlands Freiheit wird in Wahrheit nicht am Hindukusch verteidigt, sondern in den Theatern, Konzertsälen, Opernhäusern, Museen und Buchläden und natürlich in den Schulen."
Drohende Kürzungen in manchen Kulturetats der Länder und Kommunen stellten die Grundsatzfrage in einer Gesellschaft: "Für welchen Zweck macht man eigentlich Politik? Wenn Politik ausgerechnet an diesem sowieso schon schwachen Feld kürzt, kürzt sie an ihrem eigenen inneren Sinn."
Matthias Stöbener: Viele Augsburger Kulturschaffende werfen der neuen Stadtregierung eine verfehlte Kulturpolitik vor. Was könnte man ihrer Meinung nach besser machen?
Dr. Sebastian Seidel: Kulturpolitik ist immer sehr umstritten. Auch in der Vergangenheit. Augenblicklich fehlt die längerfristige Vision, die Ziele für die nächsten 20 Jahre und kommende Generationen entwirft und gegen drohende Kürzungen bedingungslos verteidigt. Die Künstler brauchen eine noch viel stärkere Lobby in allen Parteien.
Matthias Stöbener: Zum Schluss zu Ihrer Arbeit und zu Ihrem Theater zurück. Welches besondere Theater-Highlight hat uns das S`ensemble in den nächsten Monaten zu bieten und um was geht es dabei?
Dr. Sebastian Seidel: Im Mai wird das Sensemble Theater in der Kulturfabrik 10 Jahre alt und wird vom 27. Mai bis zum 27. Juni ein Jubiläumsprogramm mit vielen Highlights präsentieren, u.a. ein kleines open-air-Theaterfestival im martini-Park. Und im Juli folgt dann das Sommertheater Jakoberwallturm mit der Uraufführung meines neuen Stückes »HELDENSPEKTAKEL«.
Matthias Stöbener: Vielen Dank, Herr Dr. Seidel, für dieses Interview!
Matthias Stöbener 15.03.2010, 09.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur | Tags: Kulturpolitik, S`ensemble, Dr. Sebastian Seidel,
Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche
Woher kommt der ganze Dreck? Meiner Meinung nach wird in der Ausbildung von katholischen Theologen über manches menschliche Defizit hinweggesehen, weil der Priestermangel in Europa die Spirituale und Vorgesetzte gnädig mit Kandidaten für den Priesterberuf stimmt, die eigentlich keine Berufung haben. Zu oft wird meiner Meinung nach in der katholischen Priesterausbildung der alte scholastische Grundsatz »Die Berufung setzt die Natur voraus« nicht beachtet. Es wird zu wenig auf die menschliche Natur der Kandidaten gesehen. Ich spreche aus Erfahrung, stand ich doch selbst kurz vor der Priesterweihe, ohne eine Berufung dazu gehabt zu haben. Und doch hätten mich meine Oberen zum Priester geweiht, wenn ich nicht selbst ein Jahr vor dem Ereignis dahinter gekommen wäre, dass ich den Zölibat nicht leben kann.
Ob der Zölibatszwang für Priester heute noch angemessen ist, kann ich nicht beurteilen. Ob der Zölibat Kindesmissbrauch fördert, wage ich auch nicht zu entscheiden, dazu fehlen mir die Vergleichszahlen zu Familien. Meiner Meinung nach sollte die katholisches Kirche heute aber ernsthaft darüber nachdenken, den orthodoxen Weg zu gehen, also sowohl verheiratete Priester wie zölibatäre Mönche zu fördern. Es gibt meiner Meinung nach keinen theologischen Grund, warum ein Priester unverheiratet leben muss. Und ich glaube nicht, dass ein orthodoxer Priester weniger für den Glauben leisten kann, weil er verheiratet ist. Dies zu behaupten, wäre schon recht arrogant.
Sollte die katholische Kirche dahin zu kommen, das im Mittelalter eingeführte Zölibat aufzuheben, wären natürlich nicht alle Probleme gelöst. Dass jemand versagt, dass die Kirche eine Gemeinschaft von Sündern ist, steht außer Frage. Das Schlimme am Verhalten der katholischen Kirche bisher ist das Verdrängen des Versagens ihrer Mitglieder oder Repräsentanten. Da muss sich gewaltig etwas ändern. Die Gesellschaft kann weder in islamischen Gemeinschaften noch in der katholischen Kirche rechtsfreie Räume dulden, in denen diese Gruppen glauben ihre Probleme selbst lösen zu können.
Matthias Stöbener 13.03.2010, 12.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Religion | Tags: Missbrauch, Kinder, Katholische Kirche, Zölibat,
Weltfrauentag
Matthias Stöbener 11.03.2010, 09.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Soziales | Tags: Weltfrauentag, Geschlechtergerechtigkeit, Patriarchat,
Klima schützen kann jeder
Matthias Stöbener 10.03.2010, 09.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Ökologie | Tags: Klimaschutz, Prima Klima Augsburg,
Augsburger Bloggerstammtisch
Endlich haben auch wir Augsburger Blogger einen Stammtisch. Wer daran teilnehmen will, kann die aktuellen Termine erfragen, indem er eine Mail an mitspieltheater(at)googlemail.com schreibt.
Matthias Stöbener 09.03.2010, 08.07 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Veranstaltungen | Tags: Blogger, Augsburg, Stammtisch,
Augsburger Industriekultur auf der ITB
Matthias Stöbener 07.03.2010, 08.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur | Tags: Industriekultur, ITB, ,
Ich bin empört
Matthias Stöbener 06.03.2010, 11.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Veranstaltungen | Tags: Trinkgelage, CSU, Alkohol,
Balkanisierung Deutschlands
Wahrscheinlich werden die Zustände auch nicht besser, denn gestern las ich die Pressemitteilung von Claudia Roth, in der sie schreibt, dass zahlreiche Schienenausbauprojekte in Bayern ohne Finanzierung seien. Wörtlich schreibt sie:
Bund und Deutsche Bahn AG (DB AG) haben nun endlich die Projektlisten offen gelegt. Dieser Schritt zur Herstellung von mehr Transparenz war überfällig. Dass bisher nicht einmal der Bundestag, der die Gelder zur Finanzierung der Bahnprojekte bereitstellt, informiert wurde, war ein skandalöser Zustand. Auf massives Drängen des Verkehrsausschusses des Bundestages hat die neue Leitung des Verkehrsministeriums jetzt die Listen herausgebracht. Realistischer Weise werden nur 1,4 bis 1,2 Mrd. Euro jährlich zur Verfügung stehen. Das ist ein Offenbarungseid. Die Zahlen zeigen:
* die Schienenprojekte sind hoffnungslos unterfinanziert,
* die Mehrzahl der Projekte des Vordringlichen Bedarfs ist noch nicht finanziert,
Allein in Bayern fehlen für sinnvolle und dringliche Ausbaumaßnahmen mehrere Milliarden Euro. Die Liste der (noch) nicht finanzierten Projekte in Bayern ist besonders lang. Betroffen sind:
* VDE 8.1 Nürnberg-Erfurt (Anteile ABS Nürnberg-Erfurt)
* ABS/NBS Hanau Würzburg/Fulda
* ABS/NBS Stuttgart Ulm Augsburg (Ausbau Ulm-Augsburg auf 200 km/h)
Für die Strecke ABS München Mühldorf Freilassing (TEN Förderung) gibt es eine Finanzierung der Planungskosten, aber noch keine Finanzierung der Baukosten. Hier zeigt sich, wie fatal die Priorisierung von »Stuttgart 21« und die der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm sich auf die übrigen Bauprojekte auswirkt. Allein diese beiden Projekte werden in den nächsten Jahren 6 Mrd. Euro (plus XX) verschlingen. Viele dringend nötige Aus- und Neubauprojekte stehen dagegen in den Sternen. Sie werden faktisch ins dritte und vierte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts verschoben. Eine solche Verkehrspolitik schickt Millionen von Bahnkunden auf das Abstellgleis.
Liebe Frau Roth! Ich kann Ihnen da nur zustimmen. Und auch mein Sohn, der in Würzburg studiert, würde Ihnen zustimmen. Als letztens sein Auto streikte, meinte ich, warum er nicht mal mit der BAHN nach Hause fährt. »Bist du verrückt, Vater? Da könnte ich ja auch gleich zu Fuß nach Augsburg laufen.«
Matthias Stöbener 05.03.2010, 08.45 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Ökologie | Tags: Bundesbahn, Pendler, München,
Schauspielerisches Talent gesucht
Während in der Fuggerei die soziale Thematik der Renaissance aufgegriffen wird, soll im neuen Museum im Wieselhaus im Domviertel die Wirtschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit aufbereitet werden. Dabei spielt auch Bartholomäus Welser eine große Rolle, dessen Bedeutung sich bei Weitem nicht auf Augsburg beschränkt. Unter der Führung des berühmten Patriziers erreichte die Handelsfamilie den Höhepunkt ihres Reichtums, finanzierte die Wahl Karls V. zum Kaiser mit und beteiligte sich an der Kolonisation Amerikas. Bartholomäus Welser war ein kluger und kühler Kopf, der seine Absichten zielstrebig durchzusetzen wusste.
Die Regio Augsburg Tourismus GmbH sucht nun einen Darsteller, der diese selbstbewusste und dynamische Ausstrahlung des Welsers auch zu verkörpern weiß. Wenn Sie die notwendigen schauspielerischen Fähigkeiten und die passende Erscheinung mitbringen (etwa zwischen 40 und 45 Jahre alt, ab 175 cm groß, am besten mit Vollbart), freut sich die Regio über eine E-Mail an regio3(@)regio-augsburg.de.
So ist in der PM der Regio zu der Schauspielersuche zu lesen. Diese Lobesworte zu den großen Augsburger Welser sollten noch ergänzt werden, damit der gesuchte Darsteller den Welser auch wirklich realitätsnah spielen kann: In der Augsburger Fußgängerzone, genauer: in der Annastraße erinnert eine Gedenktafel an den "Kolonisator" Bartholomäus Welser, der dort gewohnt haben soll. Tatsächlich hatten die Welser, eine angesehene Augsburger Patrizier- und Handelsfamilie, im Jahr 1526 als Gegenleistung für die Kredite an Kaiser Karl V. die Provinz Venezuela zur Ausbeutung überschrieben erhalten. Über die Kolonisation im Auftrag der Welser berichtet der Mönch Bartholome de las Casas:
"Sie kamen mit etwas mehr als dreihundert Mann in dies Land und fanden an den Bewohnern desselben eben so sanfte, ja noch weit sanftere Lämmer, als alle anderen Indianer dieser Gegenden waren ... Ich denke aber, sie wüteten weit grausamer unter ihnen als alle bereits erwähnten Barbaren; ja noch viehischer und rasender als die blutigen Tiger und wütigsten Wölfe und Löwen. Vor Geiz und Habsucht handelten sie weit toller und verblendeter als alle ihre Vorgänger, entsannen noch abscheulichere Mittel und Wege, Gold und Silber zu erpressen, setzten alle Furcht vor Gott und dem Könige und alle Scham vor Menschen hintenan; und da sie so große Freiheiten genossen, und die Jurisdiktion des ganzen Landes in Händen hatten, so vergaßen sie beinahe, dass sie Sterbliche waren."
Die Statthalter der Welser fanden in Venezuela aber nur wenig Gold, vielmehr interessierten sie sich für den Sklavenhandel, der hohe Gewinne abwarf. 1528 erwarben die Welser für 20.000 Dukaten ein Monopol für den Sklavenhandel. Die Kolonisation Venezuelas endete für die Welser in einem Fiasko: Bartholomäus Welser wurde auf dem letzten erfolglosen Goldraubzug von einem Konkurrenten hinterrücks erschlagen. Im Jahr 1556 wurde den Welsern "ihre" Kolonie aberkannt. 1614, ein halbes Jahr später, brach das Welsersche Handelsimperium in der Folge des spanischen Staatsbankrottes endgültig zusammen.
Im "Kolumbusjahr" 1992 ließen die Vereine Werkstatt Solidarische Welt e. V. (damals noch Partnerschaft Dritte Welt) und die Geschichtswerkstatt e. V. eine indianische Basisinitiative aus Venezuela und eine Reihe anderer Organisationen im Augsburger Stadtrat einen Antrag stellen, der die Anbringung einer weiteren Gedenktafel am Welserhaus zum Ziel hatte, um an die indianischen Opfer der europäischen Eroberer zu erinnern. Gutachter wurden bemüht, Expertisen geschrieben, der Antrag zwischen verschiedenen Referaten hin- und hergeschoben. Es stellte sich heraus, dass die bestehende Gedenktafeln dort zu Unrecht hängt, weil Bartholomäus Welser dort nie gewohnt hat. Es wurde beschlossen, die heutige Gedenktafeln vom Haus zu entfernen, was aber bis heute nicht geschehen ist. Man braucht nur vor dem Haus Annastraße 25 stehen zu bleiben und die Lobhudelei auf den Menschenschinder, Frühkapitalisten und hoffentlich in der Hölle bratenden Welser zu lesen.
Matthias Stöbener 03.03.2010, 08.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur | Tags: Welser, Welserhaus, Darsteller Bartholomäus Welser,
Bürgerbegehren Stadtbad
Matthias Stöbener 02.03.2010, 08.41 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Soziales | Tags: Stadtbad, Bürgerbegehren, Theater, CSU,
Verbot von Firmenspenden an Parteien
Matthias Stöbener 01.03.2010, 09.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Politik | Tags: Firmenspenden, Initiative, Verbot,




